Geschichte vom claro Weltladen Langenthal

erzählt von Frau Dr. med. Annemarie Preiswerk,

Gründerin claro Weltladen Langenthal

 

Bilder und Berichte findet ihr unter: Unser Laden

Als ich 1976 nach Langenthal kam, um eine Praxis zu eröffnen, gab es hinter der Kantonalbank in Langenthal einen kleinen Raum, in dem eine Jugendgruppe mit einem katholischen Vikar einen kleinen Laden eröffnet hatte. An der Bushaltestelle stand ein Kartondreieck mit dem Hinweis auf den Laden und die Öffnungszeiten. Ich kaufte damals zwei afrikanische Körbe der Basler Mission (heute mercifair) als Papierkörbe, einer davon steht heute noch unter meinem Schreibtisch.

Kurz darauf schrieb die Gruppe alle Ärzte und Juristen an, um ihr Lädeli bekannt zu machen. Ich war wohl die einzige, die darauf antwortete. Paula Schaub (-Holt) † kam in die Praxis und verkaufte mir einen Wandbehang aus Indien.

Bald darauf wurde die Kantonalbank umgebaut, das Team suchte einen neuen Standort und fand ihn an der der Melchnaustrasse neben der Drogerie Schindler, zwei kleine Räume, vom Hausgang aus beheizt, mit einem Sitzofen. Schon bald löste sich die Gruppe auf, die Jungen gingen in eine Lehre oder nach Bern zur Schule. Drei Mütter der Jugendlichen und ich übernahmen das Inventar und die Schulden und führten den kleinen Laden weiter. Es war die Zeit der Bananenfrauen, der Aktion für Ujamaa-Kaffee und «Jute statt Plastik»-Taschen, also einerseits Fairer Handel, andererseits Umweltschutz. Die Dritte-Welt-Läden verkauften 100g Pulverkaffee und 1 kg Info-Material.

Neue Ladenfrauen kamen dazu, das Sortiment erweiterte sich, auch die Dach-Organisation OS3 (heute claro) in Sonceboz professionalisierte sich. Neben Kaffee aus Nicaragua, Maya-Honig, Ujamaa-Kaffee und Tee gab es Kunsthandwerk und Umweltschutzpapier.

Eines Nachts erhielt ich einen Telefonanruf, es brenne in unserem Laden, ob ich einen Schlüssel habe. Die Mieterin im 1. Stock hatte eine Kerze brennen lassen. Im Laden selbst war nichts verbrannt, aber alles stank nach Rauch und musste entsorgt werden. Zum Glück bezahlte die Versicherung den Schaden. Längere Zeit wusste man nicht, ob die Gemeinde das Haus renovieren oder abreissen würde, bis wir die Kündigung bekamen.

Eine unserer Mitarbeiterinnen, Hannelore Kotrubcik, hätte gerne Körner, Mehl etc. ins Sortiment aufgenommen, aber dafür war kein Platz. Ihre Gruppe gründete deshalb die Kornblume. Gemeinsam konnte wir das Erdgeschoss an der Farbgasse 22 (jetzt Remax) mieten. Ladeneinrichtungen und Schaufenster gestaltete Daniel Bucheli mit viel Holz. Die Kornblume hatte ihren Eingang gegen die Strasse, der Dritte Welt-Laden den Eingang nach hinten. Wir bezogen Waren von OS3 (heute claro), der Basler Mission  (jetzt mercifair) und Jodok (Papeterie in Zofingen). Der Laden lief gut, wir verkauften damals auch Bananen aus fairem Handel.

Als die Besitzerin starb und das Haus verkauft wurde, eröffnete die Kornblume einen grossen Laden in der Innenstadt, wir fanden einen kleinen Laden an der Bützbergstrasse 1, neben dem Spielwarenladen Leuenberger, abgelegen und versteckt, deshalb ging der Umsatz stark zurück. Der Hausschwamm zwang uns dann wiederum eine neue Bleibe zu suchen.

An der Marktgassse 1 (heute Chicorée) wurde ein Teil des Erdgeschosses frei, mit 2 Schaufenstern, aber ohne Lagerraum. Das Bata Schuhgeschäft belegte die andere Hälfte der Ladenfläche. Ein Schrank und ein WC im 4. Stock wurde uns zur Verfügung gestellt, die Miete war natürlich wesentlich höher als wir bisher jeweils bezahlt hatten. Im Glauben, dass wir dort bleiben können, renovierten wir den Laden mit Hilfe von claro, wie OS3 nun genannt wurde. Als jedoch Bata die Filiale in Langenthal aufgab, wollte die Vermieter das ganze Erdgeschoss an einen Mieter vermieten und uns wurde gekündigt.

Neben Lehmann Lederwaren, am Affenplatz, stand die ehemalige Metzgerei des Restaurants Rebstock frei. Wir hatten schon einen Mietvertrag unterzeichnet, als wir feststellen mussten, dass die Renovation der Räumlichkeiten die finanziellen Möglichkeiten des Ladens gesprengt hätte. So mussten wir weiter suchen.

Wir fanden den jetzigen Ort an der Farbgasse 17, wo ein junger Mann während eines Jahres einen kleinen Laden mit Schweizer Produkten geführt hatte, aber zu wenig Umsatz für eine Weiterbetreibung erzielte. So konnten wir den Laden mieten und einrichten, der Schwager von Anna Luisa Flükiger half uns dabei. Mit Werner Nietlispach als Kassier gehörte erstmals ein Mann zum Ladenteam.

Seither ist der claro Laden am gleichen Ort in der Farbgasse 17 in Langenthal. Nach einigen Jahren konnten wir den 2. Raum, der zuvor als Nähatelier gedient hatte, dazu mieten und so den Laden erweitern. Ausser dem Wechsel an  Mitarbeiterinnen hat sich in letzter Zeit wenig geändert, das Sortiment wird stets vielfältiger, mehr Kosmetik, dafür weniger Kunsthandwerk, Diversifikation bei Nahrungsmitteln (Schoggi, Tee, Kaffee, Honig). Der Grundgedanke des fairen Handels bleibt bestehen, dafür setzen wir uns täglich ein. 

 

Annemarie Preiswerk
 

Wer im claro Weltladen kauft, sichert Existenzen

 

der Claro Weltladen unterstützt Kleinbauern und Produzenten, damit diese im Land bleiben können. Wer an der Farbgasse 17 einkauft, tut nicht nur etwas für die Umwelt und gegen die Landflucht, sondern erhält damit erstklassige Ware

 

Von Irmgard Bayard

 

«Statt zu spenden habe ich mich entschlossen, im claro-Laden einzukaufen und werde das in Zukunft noch vermehrt tun.» Diese Aussage von Monika Kühni aus Bützberg zeigt, wie man sich auf direkte Art für Menschen einsetzen kann. Das bestätigt auch Judith Jansen, seit rund zwei Jahren Präsidentin des Vereins claro-Ladens und seit fünf Jahren dessen Leiterin. «Unsere Philosophie ist es, nicht für die Ladenmiete zu arbeiten, sondern für die Produzentinnen und Produzenten.

 

Seit 50 Jahren in Langenthal

 

Der claro-Laden gehört seit vielen Jahren zum Ortsbild von Langenthal. Gegründet wurde er von der Langenthaler Ärztin Annemarie Preiswerk. Sie war es, die das Inventar und die Schulden des Ladens von einer christlichen Jugendgruppe übernahm, als diese sich auflöste. Unterstützt wurde sie von drei Müttern der Jugendlichen. Das war 1976, «in der Zeit der Bananenfrauen, der Aktion für Ujamaa-Kaffee und der «Jute statt Plastik-Taschen», wie die Gründerin in einem Rückblick schreibt. Seit Anfang Januar 1978 ist der claro-Laden als Verein organisiert. Mit der Zeit kamen weitere Frauen dazu, das Sortiment wurde erweiterte und die Dachorganisation professionalisiert.

 

Faire Preise für hohe Qualität

 

Nicht nur das Sortiment hat sich mit den Jahren geändert, sondern auch die Standorte. Vom kleinen Raum der Jugendlichen hinter der Kantonalbank musste der Laden verschiedene Male umziehen. Der aktuelle Standort befindet sich an der Farbgasse 17, leicht versetzt zwischen dem Restaurant Stadthof und Foto Christen. Aktuell sind 16 Ladenfrauen im Einsatz, ihr Lohn ist eine kleine Spesenentschädigung von drei Franken in der Stunde. Das Sortiment umfasst Nahrungsmittel, Kosmetik und etwas Kunsthandwerk. «Die Verträge mit den Produzenten und die Kontrolle werden von der Dachorganisation claro faire trade AG in Orpund gesichert», erklärt Judith Jansen. «Diese prüfen die Marktauftritte und bieten Schulungen an.» Für eine Modernisierung in Langenthal sorgt Irène Lüdi-Kohler mit Auftritten in den sozialen Medien und einem Newsletter.

 

Wie fair claro arbeitet, zeigt Irène Lüdi-Kohler anhand der fairafric-Schokolade auf. «Pro Tafel gehen 60 Rappen an den Produzenten. Bei anderen Anbietern sind es sechs bis acht Rappen.» Dies sowie die hohe Qualität rechtfertigen die höheren Preise, sind die claro-Frauen überzeugt. Einen weiteren Aspekt zeigt Ruth Hofer auf, die seit 30 Jahren dabei ist, zum Ladenteam gehört und die Personaleinteilung vornimmt. «Wer bei uns zum Beispiel einen Schal kauft, erhält ein Unikat und keine Massenware.» Neben Produzenten der südlichen Erdkugel, denen sie eine Existenz sichern, werden Schweizer Unternehmen berücksichtig, welche IV-Bezügerinnen und -Bezüger in einem kleinen Pensum beschäftigen.

 

Gut zu wissen:

 

claro-Weltladen, Farbgasse 17, 4900 Langenthal

 

Öffnungszeiten:

Dienstag bis Freitag, 9 bis 11.30 und 14 bis 17 Uhr,

Samstag durchgehend von 9 bis 16 Uhr.

Montag geschlossen.

 

Für 25 Franken Mitglied werden? Infos unter: clarolangenthal@bluewin.ch oder Telefon 062 922 41 33

 

Langenthal, 23.5.2026

 

 

 

 

Unser Claro Ladenteam 2026